Ängste bei Kindern – wenn Sorgen den Alltag bestimmen
Angst gehört zur kindlichen Entwicklung. Viele Kinder fürchten sich zeitweise vor der Dunkelheit, vor dem Alleinsein, vor fremden Menschen oder vor bestimmten Situationen. Solche Ängste können kommen und wieder verschwinden und sind zunächst nichts Ungewöhnliches.
Manchmal nimmt die Angst jedoch immer mehr Raum ein. Ein Kind möchte plötzlich nicht mehr allein schlafen, vermeidet die Schule, klagt vor bestimmten Situationen über Bauch- oder Kopfschmerzen oder zieht sich zunehmend zurück.

Spätestens wenn Ängste den Alltag eines Kindes deutlich beeinflussen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Angst zeigt sich nicht bei jedem Kind gleich
Kinder können ihre Ängste nicht immer in Worte fassen. Manche sagen ganz klar: „Ich habe Angst.“ Andere reagieren mit Unruhe, Weinen, Wut oder Rückzug.
Auch körperliche Beschwerden können auftreten. Dazu gehören beispielsweise Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder Einschlafprobleme.
Deshalb ist mir wichtig, nicht nur nach der Angst selbst zu fragen, sondern das Kind in seiner gesamten Situation wahrzunehmen.
Was beschäftigt das Kind?
In der Anamnese interessiert mich, wann die Angst begonnen hat, wodurch sie ausgelöst wird und was dem Kind hilft.
Gab es Veränderungen in der Familie oder in der Schule? Wird das Kind gehänselt oder fühlt es sich unter Leistungsdruck? Hat es etwas Beängstigendes erlebt? Besteht die Angst hauptsächlich am Abend, vor der Schule oder in ganz bestimmten Situationen?
Gerade bei Kindern braucht es dafür manchmal etwas Zeit. Nicht jedes Kind möchte sofort erzählen, was es beschäftigt. Eine ruhige und vertrauensvolle Atmosphäre kann helfen, dass sich ein Kind in seinem eigenen Tempo öffnet.
Ängste ernst nehmen – ohne sie zu verstärken
Ein „Du musst doch keine Angst haben“ hilft einem Kind häufig wenig. Die Angst fühlt sich für das Kind in diesem Moment real an.
Gleichzeitig müssen Eltern nicht jede angstauslösende Situation vermeiden. Je nach Art der Angst kann es hilfreich sein, dem Kind Sicherheit zu geben und es dabei zu unterstützen, schrittweise wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
Wann braucht ein Kind zusätzliche Unterstützung?
Wenn Ängste über längere Zeit bestehen, stärker werden oder Schule, Schlaf, Freundschaften und Familienleben deutlich beeinträchtigen, sollte genauer abgeklärt werden.
Besonders wichtig ist professionelle Unterstützung, wenn ein Kind beispielsweise starke Panikreaktionen entwickelt, sich zunehmend zurückzieht, die Schule dauerhaft meidet oder von Selbstverletzung bzw. Suizidgedanken spricht.
Je nach Situation kann die Zusammenarbeit mit Kinderärztinnen und Kinderärzten, Kinder- und Jugendpsychologie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie sinnvoll und notwendig sein.
Naturheilkundliche Begleitung – das einzelne Kind im Mittelpunkt
In meiner naturheilkundlichen Arbeit interessiert mich nicht allein die Bezeichnung der Angst. Entscheidend ist auch, wie dieses einzelne Kind seine Angst erlebt.
Was macht ihm Angst? Wie reagiert es darauf? Sucht es Nähe oder möchte es allein sein? Was verschlimmert die Situation und wodurch fühlt es sich sicherer?
Diese individuellen Merkmale spielen insbesondere in der homöopathischen Anamnese eine wichtige Rolle. Homöopathie kann dabei als ergänzender Ansatz eingesetzt werden; bei behandlungsbedürftigen Angststörungen ersetzt sie jedoch keine psychologische oder psychiatrische Behandlung.
Für mich geht es darum, ein ängstliches Kind nicht auf seine Angst zu reduzieren, sondern zu verstehen, was es gerade braucht und welche Form der Unterstützung sinnvoll ist.
Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Bern
In der Praxisgemeinschaft für Naturmedizin in Bern begleiten wir Kinder und Jugendliche individuell und unter Berücksichtigung ihrer körperlichen und emotionalen Situation.
Bei Bedarf arbeiten wir mit anderen Fachpersonen zusammen beziehungsweise empfehlen eine entsprechende weiterführende Abklärung.
Karim Boural
Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom Fachrichtung Homöopathie
Christina Tanner
Homöopathin HVS




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